Die Gänsesäger sind zurück im Schwazer Glockenturm
Livestream & Blog
Unerwartete Rückkehr eines außergewöhnlichen Brutvogels
Der Livestream aus dem Nest ist mit verbesserter Technik zurück
Entgegen aller Erwartungen ist die Gänsesäger-Mutter auch heuer wieder in den Glockenturm der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Schwaz zurückgekehrt. Damit setzt sich eine außergewöhnliche Naturgeschichte fort, die seit mehreren Jahren zahlreiche Menschen in Schwaz und weit darüber hinaus begeistert.
Der Brutplatz im Turm gilt als einzigartig. In einem kleinen Dachraum in rund 50 Metern Höhe, verborgen im 65 Meter hohen Glockenturm, zieht das Weibchen regelmäßig seinen Nachwuchs auf. Schon kurz nach dem Schlüpfen wartet auf die Küken ein spektakulärer Moment: Sie verlassen das Nest mit einem mutigen Sprung in die Tiefe und folgen ihrer Mutter anschließend durch die Innenstadt bis zum Inn, wo ihr neues Leben beginnt.
Über die installierten Webcams kannst du das Geschehen im und rund um das Nest LIVE mitverfolgen. Die Technik wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Die Kamera im Nest liefert zusätzlich Ton aus dem Brutraum. Wie bisher kannst du das Geschehen bis zu 12 Stunden zurückspulen, um besondere Momente noch einmal anzusehen. Neu ist außerdem die Möglichkeit, einzelne Sequenzen direkt aus dem Archiv zu exportieren. Auch die Außenkamera wurde neu positioniert. Sie befindet sich nun im Bereich der Nistkästen der Turmdohlen oberhalb des Gänsesäger-Nestes und bietet mehrere Blickwinkel rund um den Glockenturm. Über voreingestellte Kamerapositionen können Anflug und Abflug der Vögel, der Bereich des späteren Absprungs der Küken sowie der Blick über die Dächer von Schwaz beobachtet werden. Die Bildqualität dieser Kamera ist bewusst reduziert, damit Personen und Fahrzeuge im Stadtbereich nicht in hoher Auflösung erkennbar sind.
Mit dem Livestream kannst du Natur mitten in der Stadt erleben und einen seltenen Einblick in das Brutverhalten dieser faszinierenden Vogelart bekommen.
Ganz aktuell vom 10.5.26:
Das Gänsesäger-Team berichtet:
Die sieben Küken haben am 9.5.26 den Sprung (eigentlich freien Fall) vom Schwazer Glockenturm gut überstanden und wir konnten die Familie sicher bis zum Inn begleiten. Herzlichen Dank an alle Mitglieder vom Gänsesägerteam, an die Jungs von den Footballern und besonders an die Bundespolizei für die reibungslose Überquerung der Bundesstraße.
Vielen Dank auch an die vielen Naturinteressierten für ihre Geduld und das rücksichtsvolle Verhalten, und einen speziellen Dank an Dekan Martin Müller, den Hausherrn des Glockenturms der Stadtpfarrkirche Schwaz!
Dieses Jahr ließ uns das Gänsesägerweibchen lange auf den Beginn der Wanderung zum Inn warten. Nach mehreren Anläufen war es dann erst um 16:22 soweit: Sie flog den Kleinen voraus hinunter in den Stadtpark und nach kurzem Zögern folgten die sieben Küken mit einem freien Fall aus 50 Meter Höhe. Alle überstanden den Sturz unverletzt und folgten ihrer Mutter durch die Schwazer Altstadt bis zum Inn. Sofort nach dem Erreichen des Wasser nahmen alle Tiere einen ordentlichen Schluck Wasser. Mit der Strömung ließen sie sich dann in Richtung Kufstein treiben und verschwanden aus den Blicken der vielen Zuschauer.
Für uns war es wieder ein tolles Naturerlebnis!
Morgen, Montag 11.5.26, um 18:05 auf SERVUS-TV, kommt ein Bericht über die Gänsesäger von Schwaz! Danke an das Team des Senders für die tolle Berichterstattung und für eure Zeit!
Reinhard Hölzl (stellvertretend für das Gänsesäger-Team)
Steckbrief: Der Gänsesäger
Der Gänsesäger (Mergus merganser) ist der größte Vertreter der Säger innerhalb der Entenvögel. In Tirol gibt es schätzungsweise 25 bis 30 Brutpaare, vor allem im Inntal und in den Nördlichen Kalkalpen. Mit einer Körperlänge von 58 bis 68 Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu 94 Zentimetern ist er deutlich größer als eine Stockente. Während das Männchen im Brutkleid schwarz-weiß schimmert, erkennst du das Weibchen am rostbraunen Kopf und am grauen Körper. Charakteristisch ist der schmale Hakenschnabel mit feinen sägeartigen Zähnen, der den Vögeln beim Fangen von Fischen hilft. Gänsesäger sind ausgezeichnete Taucher und jagen ihre Beute unter Wasser.
Besonders spektakulär ist ihre Brutstrategie. Die Weibchen brüten meist in Baumhöhlen oder Felsnischen in der Nähe von Gewässern. Die Küken verlassen das Nest bereits einen Tag nach dem Schlüpfen und springen ihrer Mutter hinterher aus großer Höhe. Dank ihres geringen Gewichts und ihres weichen Gefieders überstehen sie diesen Sprung meist unbeschadet.
Rückblick: Wie alles begann…
Bereits seit 2019 tauchte jedes Jahr im Mai eine Gänsesäger-Mutter mit ihren Küken mitten in der Schwazer Innenstadt auf und versuchte zu Fuß zum Inn zu gelangen. Lange blieb jedoch unklar, wo sich das Nest befand. Erst 2023 konnte der Brutplatz im Neuen Glockenturm der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt entdeckt werden. Das Nest befindet sich in einem winzigen Dachraum, der nur über eine kleine Öffnung von außen erreichbar ist. Nach der Entdeckung wurde erstmals eine Kamera installiert, um das Geschehen beobachten zu können, ohne die Tiere zu stören. Schon damals sorgte der Moment des Absprungs für große Aufmerksamkeit: Acht frisch geschlüpfte Küken wagten den Sprung aus rund 50 Metern Höhe und wurden anschließend sicher bis zum Inn begleitet.
Auch 2025 nutzte das Gänsesäger-Weibchen wieder den außergewöhnlichen Brutplatz im Schwazer Glockenturm. Über den Livestream konnten tausende Menschen weltweit verfolgen, wie sich das Leben im Nest entwickelte.
Am 9. Mai um 14:20 Uhr war es schließlich soweit: Die Mutter verließ mit ihren fünf Küken den Turm. Nacheinander sprangen die Jungvögel aus rund 50 Metern Höhe in die Tiefe und landeten unversehrt am Boden. Anschließend wurde die kleine Familie sicher bis zum Inn begleitet.
Dort kam es zu einem besonderen Moment. Ein Küken, das eine Woche zuvor aus Kufstein nach Schwaz gebracht worden war und vorübergehend gepflegt wurde, konnte erfolgreich mit der Familie zusammengeführt werden. Gemeinsam setzte die Gänsesäger-Mutter schließlich mit sechs Küken ihren Weg entlang des Inns fort.
Rund 25.000 Menschen verfolgten den spektakulären Moment live über den Stream.
Leben im Glockenturm
Der Glockenturm ist mittlerweile zu einem wichtigen Lebensraum für mehrere Vogelarten geworden. Nachdem der Brutplatz der Gänsesäger entdeckt worden war, wurden zusätzlich Nistkästen für Turmdohlen installiert. Diese wurden sofort angenommen und erfolgreich genutzt.
Kaum hatten die Gänsesäger ihren Nistplatz verlassen, zog im vergangenen Sommer außerdem ein Turmfalkenpaar in den Dachraum ein. Die Falken brüteten erfolgreich und ihre Jungvögel sind mittlerweile über Schwaz und der Umgebung unterwegs.
Mit dem Livestream kannst du auch heuer wieder miterleben, wie sich das Leben rund um den außergewöhnlichen Brutplatz im Glockenturm entwickelt – vom Einzug der Gänsesäger-Mutter bis zum großen Sprung der Küken.
Stressvermeidung zum Wohl der Tiere
Das Interesse an dem Sprung der Küken und der Wanderung zum Inn war 2025 sehr groß, sodass es zu einer Panikreaktion und zu einem vorzeitigen Sprung der Gänsesägermutter in den Lahnbach kam. Dieses Jahr möchte man die Vögel besser schützen und ihnen einen ruhigeren Weg zum Inn bescheren. Die Stadtgemeinde Schwaz sowie das Stadtmarketing Schwaz haben sich daher, erneut in Abstimmung mit Reinhard Hölzl, für ausreichende Sicherheitsvorkehrungen entschieden, damit die Menschenansammlungen im Stadtpark am Tag des voraussichtlichen Sprungs nicht zu groß werden.
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