Kultur in Schwaz
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von OAR Hans Sternad und Chris Kohler
Bereits zur Zeit der jüngeren Urnenfelderkultur (um 1000 v.Chr.) befand sich eine Siedlung in Schwaz (Funde in St. Martin und am Pirchanger).
Schwaz, das erste Mal 930 n.Chr. (SUATES) urkundlich erwähnt, 535 Meter ü.d.M. gelegen, mit seinen Wahrzeichen: Burg Freundsberg, Pfarrkirche “Zu Unserer Lieben Frau”, Franziskanerkloster mit Kreuzgang und Kirche und dem Rathaus, hatte seine Blüte um 1500. 12.000 Knappen und Schmölzer waren aufgrund der außerordentlichen Silber- und Kupfervorkommen in Schwaz beschäftigt.
Schwaz wurde zu einer Wirtschaftsmetropole. Von 1470 bis 1500 wurden eine Million Kilogramm Silber und 17.000 Tonnen Kupfer gewonnen. Der Bergbau und das Schmelzen lagen in den Händen privater Gewerken. Das Schwazer Silber ist in Hall in Tirol zu Münzen geprägt worden. Das Kupfer hingegen wurde zu Geschützen gegossen und gab der kaiserlichen Artillerie im 16.Jh. ihre schlachtenentscheidene Vormachtstellung.
Die Burg Freundsberg, um 1100 erbaut, wurde zur Stammheimat eines starken und ruhmreichen Geschlechtes. Den Rittern von Freundsberg verdankt Schwaz seinen ersten Aufschwung. 1319 wurde ein eigenes Landgericht errichtet und 1326 verschafften sie Schwaz auch das Privileg eines Wochenmarktes. 1467 wanderte dieses Geschlecht nach Mindelheim, unserer heutigen Partnerstadt aus, wo einer ihrer berühmtesten Söhne, Jörg von Freundsberg, der heldenhafte Feldobrist und Landsknechtvater, 1475 geboren wurde.
Der wirtschaftliche Reichtum wirkte sich auch kulturell überaus positiv aus. Hans Sachs besuchte Schwaz und gründete die Meistersingerschule (1532), Paracelsus war um 1513 in Schwaz, wo er sich unter anderem für die Schmelzkunst interessierte. An der Lateinschule lehrten Männer aus dem Humanistenkreis um Kaiser Maximilian. Musik und Theater erlebten einen unglaublichen Aufschwung (Pölzbühne). Jörg Stöckl, ein reicher Bergwerksbesitzer, errichtete 1520 im Ansitz Sigmundslust (Vomp) die erste Druckerei Tirols, in der das erste deutschsprachige Liederbuch (Hymnarius) gedruckt wurde und auch das Rathaus, welches zu den schönsten Tirols zählt.
Jakob Fugger, Handelsmann und Bergwerkbesitzer, ließ mit seinem Einsatz von 543.000 Gulden den Habsburger Karl V zum deutschen Kaiser wählen (1519); diese riesige Summe fand ihre Deckung durch das Schwazer Silber. Das kirchliche Leben, welches durch die Erhebung von Schwaz zur Pfarre 1645 neuen Auftrieb erhalten hatte (vorher zur Pfarre Vomp gehörig), zeigte das lebensvolle Bild der Barockzeit. Mit dem Rückgang der Metallproduktion erlahmte das kulturelle Leben.
Bitterste Armut brachte der Freiheitskampf in Tirol 1809 mit sich – (der Bergsegen war damals längst erloschen) – wo Schwaz am 15. und 16. Mai fast vollkommen von bayrisch-napoleonischen Truppen unter General Wrede niedergebrannt worden war. Etwa 400 Häuser und 4 Kirchen gingen in Flammen auf. Nicht immer zeigte sich der Lahnbach, dessen Wasserkraft dereinst Blasbälge, Schmelzhütten und Pocherwerke antrieb, so friedlich wie heute. Die früher vor der Verbauung öfters mit fürchterlicher Gewalt herabstürzenden Lahnbachausbrüche brachten Tod und Verderben über Schwaz. Nur allmählich konnte sich Schwaz von diesen Schreckensereignissen erholen.
Neue Industrien entstanden und der Bergbau wurde wieder aufgenommen (bis 1957, danach nur noch Schottergewinnung). Mit der Errichtung der Tabakfabrik in Schwaz 1830, des zweitältesten Industrieunternehmens im Bezirk Schwaz, und der Stadterhebung am 28.4.1899, war der erste Schritt zur unaufhaltsamen Neuentwicklung in unserer Heimatstadt getan, welcher nur durch die beiden Weltkriege wieder Rückschläge in Kauf nehmen musste.
Im 2. Weltkrieg zerstörten drei Bombenangriffe 16 Häuser, es gab 28 Tote zu beklagen.
Heute ist Schwaz eine aufblühende Stadt mit 12.500 Einwohnern. Fabriken (Tyrolit-Werke, mit einer der größten Schleifmittelherstellung der Welt , Adler-Werke), ein eigenes E-Werk, Geschäfte, Handelsbetriebe und der Fremdenverkehr tragen dazu bei, dass es wieder Arbeit und Wohlstand in Schwaz gibt.
Als Bezirkshauptstadt ist Schwaz schulisches, soziales und politisches Zentrum der Region.
Ihre Kulturdenkmäler, Museen und Festivitäten haben Ihr in den letzten Jahren den Ruf einer Kulturstadt eingebracht.
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